2015-09-26 08:17:47

Nach dem VW-Schock

Der laute Knall, mit dem die VW-Abgasaffäre den Aktienmarkt aufgeschreckt hat, hat auch zum Schluss der abgelaufenen Woche noch nachgehallt. Zwar konnte sich der Aktienmarkt am
Freitag deutlich erholen, die VW-Aktie, die zuvor einen kleinen Teil ihrer horrenden Kursverluste vom Montag und Dienstag ausgebügelt hatte, warjedoch wieder Schlusslicht.

Der Skandal hat dem Dax seinen Stempel aufgedrückt. Unter dem Gewicht der Automobilbranche kam der Index am Donnerstag seinem bei 9.338 liegenden Jahrestief vom 24. August gefährlich nahe. Die Deutsche Bank, die ihre Ergebnisprognosen für VWdeutlich reduzierte, senkte auch ihre Erwartungen für den aggregierten Gewinn je Aktie des Dax und in einem Abwasch deswegen auch ihre Ziele für den Index. Vor Bekanntwerden der Manipulationen sei der Marktkonsens noch davon ausgegangen, dass die Automobilbranche 30 Prozent der Dax-Gewinne erzielen würde, so am Freitag die Commerzbank.

Das gesamte Ausmaß der Auswirkungen auf das Unternehmen und die Automobilbranche sind noch nicht absehbar, und manch ein Experte gehtauch von nicht unerheblichen langfristigen Konsequenzen für die deutsche Wirtschaft aus. So richtig dies ist und so schlimm die Affäre auch sein mag - andere, wichtigere Entwicklungen gingen im Schatten der Aufsehen erregenden Affäre fast unter.

Die Schwäche Chinas und der Schwellenländer, deren Lage sich zusehends verschlechtert, sind ebenso wie der Druck auf die Rohstoffnotierungen Warnsignale für die Aussichten der Weltwirtschaft. Aus eben diesem Grund wirkte auch die Verzögerung der ersten Leitzinserhöhung der amerikanischen Notenbank Fed seit dem Jahr 2006 nicht beruhigend. Denn sie wurde eben mit der negativen Entwicklung in den Schwellenländern und der unruhigen Verfassung der Finanzmärkte begründet. Als Fed-Chefin Janet Yellen nun signalisierte, dass die Leitzinswende doch relativ zeitnah kommen wird, reagierten die Aktienmärkte positiv. Denn die Befürchtungen, die Fed könnten den Zustand der US-Wirtschaft für einen ersten Zinsschritt für zu fragil halten, wurden wieder aus dem Markt genommen.

Mehr als die Abgasaffäre werden nun wieder die Konjunkturdaten undaußerdem mit der bald beginnenden Quartalsberichtssaison die Entwicklung der Unternehmensgewinne die Märkte umtreiben. In der neuen Woche steht u.a. der US-Arbeitsmarktbericht am Freitag an - sofern seine Veröffentlichung nicht durch Behördenschließungen verhindert wird - davor am Donnerstag der ebenfalls viel beachtete Konjunkturindex des Institute for Supply Management für den verarbeitenden Sektor.

Strategen gingen am Freitag davon aus, dass sich die Aktienmärkte u.a. aufgrund des geldpolitischen Rückenwinds und der nach wie vor auf Wachstumskurs befindlichen Weltwirtschaft in absehbarer Zeit wieder erholen wird. Kurzfristig zeichne sich noch kein Ende des Risk-off-Modus an den Aktienmärkten ab, so etwa die BayernLB. Zur Verunsicherung trage dabei vor allem bei, dass sich die Turbulenzen in den Schwellenländern - auch über China hinaus - noch fortsetzten. Ein Krisenindikator sei dabei beispielsweise der brasilianische Real,dessen starker Wertverfall sich bis zuletzt ungebremst fortsetzt habe. "Wir gehen jedoch weiterhin davon aus, dass im Zuge wieder zurückkehrenden Vertrauens in die Weltwirtschaft eine Bodenbildung inden nächsten Wochen bzw. Monaten gelingt und die Indizes anschließendin einen Erholungskurs einschwenken. Unterstützende Einflüsse solltendabei von der Geldpolitik mit einer Ausweitung des QE-Programms der EZB, dem spürbar gesenkten Bewertungsniveau und dem schon defensiven - und damit positiv zu wertenden - Investoren-Sentiment kommen".

Die Citigroup ist bezüglich der Weltwirtschaft skeptischer, für Aktien jedoch positiv gestimmt. Das US-Haus hat seine Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft im kommenden Jahr weiter von 3,1 Prozent auf 2,9 Prozent reduziert. Sein Chefvolkswirt, Willem Buiter,hält auch einen Wert näher an der 2-Prozent-Marke für denkbar. Darüber hinaus hält die Bank die Konsenserwartungen für das globale Wachstum der Ergebnisse je Aktie im nächsten mit 10 Prozent für zu optimistisch und geht von einer Welle von Abwärtsrevisionen in den kommenden Monaten aus. Befürchtungen über einen Rückgang der weltweiten Ergebnisse je Aktie seien jedoch verfrüht. Das Institut rät dazu, die aktuelle Schwäche für Käufe zu nutzen, vor allem in Kontinentaleuropa und Japan. Dort sei das Ergebniswachstum am stärksten und würden die Märkte von den Zentralbanken gestützt.

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(agenturen, imedia)


 
 
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